Rapunzel – Neu verföhnt

Es war einmal … eine Zeit, in der Märchen mit „Es war einmal …“ begonnen haben und ihre erzieherische Wirkung durch möglichst gruselige Schilderungen davon zu erreichen suchten, was mit schlimmen Kindern passiert, die nicht gehorchen mögen. Gut, dass diese grimmigen Zeiten vorbei sind. Man kann Disney ja viel vorwerfen, aber was das Maus Haus aus altbekannten Märchen macht und gemacht hat, mit welcher Liebe und Sorgfalt die Geschichten abgestaubt und in eine zeitgemäße Form gebracht wurden, das verdient schon Anerkennung. Nach unvergesslichen Klassikern wie Schneewittchen und die Sieben Zwerge, dem zu Tränen rührenden Die Schöne und das Biest, dem feucht-fröhlichen Abenteuer Arielle, die Meerjungfrau oder jüngst dem exotischen Küss den Frosch ist nun das Märchen vom Mädchen mit den langen, den gaaaaanz langen blonden Haaren an der Reihe: Rapunzel. Und eigentlich ist alles da, was es auch schon bei den Gebrüdern Grimm gegeben hat: der schrecklich hohe Turm, die böse Gothel, ein edler Retter, die Parole „Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter“, ein ordentlicher Schuss Magie und natürlich das Happy End. Aber eben alles ein bisschen moderner, unbeschwerter, sonniger. Und in ganz feinem 3D!

Also: Es war einmal ein liebenswertes Königspaar, das die Ankunft seines ersten Sprösslings gar nicht erwarten konnten, als die Königin schwer erkrankte. Nur dank der magischen Kraft einer einzigartigen Zauberblume konnte die Monarchin genesen und die kleine Rapunzel zur Welt bringen. Doch eine böse, alte Frau, Gothel, holte sich die kleine Prinzessin, verbarg das Kind fortan in einem versteckt gelegenen, hohen Turm und zog es als ihr eigenes groß. Das gesamte Königreich war erschüttert und in großer Sorger über den Verbleib der Prinzessin. Doch so sehr man sich auch bemühte – Rapunzel blieb verschwunden. Viele Jahre zogen ins Land, nichts konnte den Schmerz des Regentenpaares lindern. Im Andenken an ihr einziges Kind, ließen sie immer an Rapunzels Geburtstag abertausende Laternen in den Nachthimmel aufsteigen. Ein trauriger Anlass, aber ein so beeindruckend schönes Schauspiel, dass es auch einem jungen Mädchen in einem nicht allzuweit entfernten Turm nicht verborgen blieb …

Seit Rapunzel denken kann, kennt sie nur eine einzige Person und eine einzige Umgebung: „Mutter“ Gothel und das Turmzimmer. Doch Rapunzel ist alles andere als ein verbittertes armes Hascherl, sondern ein aufgeweckter Teenager mit sonnigem Gemüt, vielen Talenten und einem kleinen, frechen Freund, dem Chamäleon Pascal, der einiges an Abwechslung ins sonst eher eintönige Dasein bringt. Nur eines liegt Rapunzel schwer auf dem Herzen: ihr sehnlicher Wunsch, den Turm für einen einzigen Tag zu verlassen, um herauszufinden, was es mit den schwebenden Laternen auf sich hat, die einmal im Jahr, just an ihrem Geburtstag, den Himmel zum Strahlen bringen. Rapunzels 18. Geburtstag steht unmittelbar bevor, sie fühlt sich reif genug, das Abenteuer zu wagen – doch Gothel wehrt ab. Natürlich nicht, weil die Welt so böse ist, wie sie Rapunzel glauben lässt. Sondern, weil sie vom magischen Haar der schönen Prinzessin zehrt, das sie jung und schön bleiben lässt. Diesen ihren Schatz will Gothel mit aller Macht für sich behalten!

Auftritt Flynn Rider, steckbrieflich gesuchter Dieb, der sich nach seinem jüngsten Coup ausgerechnet Rapunzels Turm als Versteck ausgesucht hat. Das erste Beschnuppern zwischen Turmbewohnerin und Kletterkünstler endet mit Flynn an einen Sessel gefesselt – von und mit Rapunzels Haaren. Doch schnell erfasst Rapunzel, welche Chance sich ihr durch Flynns unverhofftes Auftauchen bietet: Er ist der perfekte Begleiter für ihren Ausflug zu den Lichtern! Es ist so weit: Der Hausarrest ist zu Ende, Rapunzel wagt den ersten Schritt in ihr neues, selbstbestimmtes Leben! Weder eine Spelunke voller Hallodris, noch der übereifrige Gaul Maximus, der um jeden Preis Flynn schnappen und ihn der Palastwache ausliefern will, können ihre Begeisterung bremsen. Rapunzel erobert die Welt im Sturm. Doch so leicht gibt sich Gothel nicht geschlagen. Sie tut, was sie am besten kann: manipulieren. Und es gelingt ihr tatsächlich, Rapunzels Vertrauen in den herzensguten Flynn dermaßen zu erschüttern, dass das Mädchen reumütig in ihr Turmgefängnis zurückkehrt …

Es ist eine Achterbahn der Gefühle, die die mutige Rapunzel durchmacht – und als Zuschauer leidet, liebt und lacht man unweigerlich mit. Dafür sorgen nicht zuletzt die liebevoll kreierten tierischen Nebenfiguren Pascal und Maximus, die ein paar unvergessliche komische Momente abliefern. Es lässt sich wohl nicht abstreiten: Seit Pixar-Kreativgenie John Lasseter die Leitung der Animationsabteilung übernommen hat, findet Disney zu seinen alten Stärken zurück!

Filminfo & Credits

Titel Rapunzel – Neu verföhnt
Originaltitel Tangled
Genre Abenteuer/Animation/Kinderfilm/Märchen/Musikfilm
Land, Jahr USA, 2010
Länge 100 Minuten
Regie Byron Howard, Nathan Greno
Drehbuch Dan Fogelman basierend auf dem Märchen der Gebrüder Grimm
Schnitt Tim Mertens
Musik Alan Menken
Produktion John Lasseter, Roy Conli
Stimmen in der DF Alexandra Neldel, Moritz Bleibtreu
Stimmen in der OV Mandy Moore, Zachary Levi, Ron Perlman, Donna Murphy
Verleih Walt Disney Studios

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